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Steinbruchsee Miltitz: @ UWW Falk Wieland

by Falk Wieland & Cornelia Beyer 6.11

Steinbruchsee Miltitz: @ UWW Falk Wieland

Steinbruchsee Miltitz: @ UWW Falk Wieland

Steinbruchsee Miltitz: @ UWW Falk Wieland

Steinbruchsee Miltitz: @ UWW Falk Wieland

Steinbruchsee Miltitz: @ UWW Falk Wieland

Steinbruchsee Miltitz: @ UWW Falk Wieland

Steinbruchsee Miltitz: @ UWW Falk Wieland

Steinbruchsee Miltitz: @ UWW Falk Wieland

Steinbruchsee Miltitz: @ UWW Falk Wieland

Steinbruchsee Miltitz: @ UWW Falk Wieland

Steinbruchsee Miltitz: @ UWW Falk Wieland

Steinbruchsee Miltitz: @ UWW Falk Wieland

Steinbruchsee Miltitz: @ UWW Falk Wieland

Steinbruchsee Miltitz: @ UWW Falk Wieland

Steinbruchsee Miltitz: @ UWW Falk Wieland

Steinbruchsee Miltitz: @ UWW Falk Wieland

Die Gemeinde Nebelschütz in Sachsen veranstaltet seit 2006 alljährlich eine internationale Bildhauerwerkstatt am Krabatstein. Das Steinbruchgelände hat sich zu einem faszinierenden Park voller outdoor geschaffener Kunstwerke entwickelt, in dessen Zentrum der Tauchsee liegt. Alljährlich werden kleinere Kunstwerke im See versenkt, um den Gallerie - Gedanken auch in die Unterwasserwelt zu tragen. Falk Wieland berichtet von der spannenden Kooperation zwischen Künstlern und der Tauchschule „Druckausgleich Freiberg“.

Am Krabatstein wurde von 1900 bis ins Jahr 2000 Granit abgebaut. Nach Bergbauende verwandelte sich der Felskessel am Krabatstein in einen wunderschönen Felssee, eingerahmt von Birken, Weiden, Kiefern, Hagebutten und Ginster. Nur wenige Insider unternahmen hier ab und an Tauchgänge. See und Landschaft haben etwas Magisches an sich. Alle, die hier tauchen oder künstlerisch arbeiten, können das fühlen.
Nach 2000 wurde die Gemeinde Nebelschütz Eigentümer des außergewöhnlichen Geländes. Ein klares Konzept entstand: die Gemeinde baut sich hier ihr Kulturzentrum für Freiluftveranstaltungen, inmitten von Streuobstwiesen, Kräutergärten und der typischen Pioniervegetation verlassener Bergbauareale. Das Gewässer betreuen seit 2006 die Taucher des Freiberger Vereins „Druckausgleich“.
Der Blick unter Wasser lohnt im Steinbruchsee Miltitz jederzeit. Über die Hälfte des Gewässerumfanges können wir an dramatischen Steilwänden entlang schweben, durch überflutete Gehölze tauchen oder chaotische Geröllhalden passieren. Manchmal schweben wir durch schmale Gassen zwischen quaderförmigen Granitbrocken und der Steilwand. Unterwegs begegnen wir Barschen, Plötzen, Karpfen und einigen großen Hechten. Zuweilen sind auch Krebse, Kaulbarsche und Schleien zu sehen. Der Herrscher der Wasserwelt ist ein 1,60 m großer Wels, der in ganz flach versunkenen Nadelbäumen zu ruhen pflegt.
Das Flachwasser wird von ein paar Seerosen, Schilfhalmen und Binsen geschmückt. In der ehemaligen Steinbruchzufahrt befindet sich heute ein Dickicht aus Altholz und Wasserpflanzen. Dies ist die „Kinderstube“ der hiesigen Fische. Fischlaichplatz und Wasserpflanzenbestände sind fürs Gerätetauchen gesperrt. In etwa 15 Meter Tiefe gibt es einen deutlichen Geländeabbruch hin zu den tiefsten Seeregionen.
In düsterer Tiefe von maximal 23 Meter entdecken wir mit viel Glück die Störe vom Krabatstein, außerdem in 11 m Tiefe ein Bootswrack. Es handelt sich um die sieben Meter lange Kunststoff - Bootsschale eines Segelbootes, die in diesem kleinen Felssee wie eine künstlerische Ironie zur allgemeinen Wrack - Romantik wirkt. Alle Tiefenangaben bleiben jedoch relativ, denn der Wasserstand des Sees ist allein im letzten Jahr um mehr als drei Meter angestiegen. Ein Teil der verzinkten Treppen und Geländer am Einstieg sind überflutet. Allein der „ins Wasser Springende“, eine stählerne Figur hoch oben auf der Granitklippe, bleibt für das Wasser unerreichbar.
Oberhalb des Sees befinden sich eine ziegelgemauerte offene Arbeitshalle für die Bildhauer, die Tauchbasis mit Blick aufs Wasser sowie das Allzweckgebäude der Gemeinde mit Sanitäranlagen. Dies alles entstand aus renovierten, wieder zum Leben erweckten Funktionsgebäuden des alten Steinbruchbetriebes.
Der See ist, wie man so sagt, ein Kraftplatz, erspürbar auch für Nicht-Esoteriker. Vielleicht hatten die Vorfahren einen Sinn dafür, als sie den Granitberg Krabatstein nannten, nach der sorbischen (Dr. Faust ähnlichen) Legendenfigur des Krabat. Dieser Krabat ist in der Lausitz Sagengestalt und literarische Figur zugleich, ein Symbol, der gute Zauberer, der beim bösen Zauberer, dem schwarzen Müller, sein Handwerk erlernte. Nachzulesen in Jurij Brezans „Die schwarze Mühle“ oder Otfried Preußlers „Krabat“. (siehe auch: www.krabat-derfilm.de)
Und so nimmt es nicht Wunder, dass der schön gelegene Granitsee in mehrfacher Hinsicht eine Renaissance der Aufmerksamkeit erfuhr: Die Gemeinde Nebelschütz regte eine inzwischen verstetigte Bildhauerwerkstatt am Steinbruch an, die seit dem Jahre 2006 diverse Skulpturen fürs Gemeindegelände, aber seit Neuestem auch zur Ausgestaltung von Kamenz liefert.
Künstler aus Polen, Tschechien und Deutschland, verstärkt durch prominente Gäste aus Westeuropa und Afrika, drücken sich alljährlich in Granit, Sandstein, Holz oder Metall aus. Künstlerischer Leiter der Bildhauerwerkstatt war lange Zeit Magister Peter Manhal aus Graz/Österreich.
„In gewisser Weise ist die Renaissance an Aufmerksamkeit, die dieser einsame Ort erfährt, auch eine Re-Industrialisierung.“ So sieht es Magister Peter Manhal. Wer sollte diese Sichtweise ablehnen, zumal nicht wenige Künstler dem harten Stein mit Bohrmaschinen, Presslufthämmern und Winkelschleifern zu Leibe rücken müssen, um sich auszudrücken. Erst für die Feinarbeit kommt bei Granit Hammer und Meißel von Hand zum Einsatz. Sonst könnte es sein, dass der Stein des Kraftplatzes Sieger bleibt. „Der Stein will bezwungen sein“, sagt Manhal, „und die Härte des Granits lässt keine Spielereien zu.“
Weil neben dem Stein das Wasser als dominierendes Landschaftselement gelten darf, entstand das besondere Projekt namens UNTERWASSERSAMMLUNG. Der bekannte Dresdner Bildhauer und Kunstdesigner Thomas Reimann engagiert sich als künstlerischer Leiter und Kurator speziell für die unterseeische Skulpturensammlung. Mit eigenen Werken und seinem guten Namen sorgt Reimann dafür, dass die Kunstsammlung im magisch grünen Wasser anwächst. Die Absicht ist jedoch nicht allein, Kunstgegenstände wie potentielle „Film-Schatzfunde“ auf den Seegrund zu stellen. Das Vorhaben ist weitaus differenzierter:
Thomas Reimann verwirklicht in Zusammenarbeit mit der Tauchschule Druckausgleich um Björn Apenburg eine ganz besondere Vision: Die Kunstwerke sollen zunächst aus den Augen, aus dem Sinn, im philosophischen Sinne „verschwinden“. Für das nichttauchende Publikum sind sie auch sehr praktisch in die unerreichbare grüne Dämmerung versunken. Hier unten, wo in geringer Tiefe mehrere ebene Felsterrassen zur Verfügung stehen, werden die Skulpturen aus Eisen, Granit, Sandstein, Glas oder Holz optisch wirksam positioniert.
Und es geschieht noch mehr: Die Kunstwerke des Vorjahres werden etwas tiefer gerückt, die Skulpturen des aktuellen Jahres stehen am weitesten oben, dem Licht am nächsten. In jedem Jahr sollen einige Kunstwerke hinzukommen. Angestrebt ist Klasse, nicht Masse. Mit jedem „neuen Jahrgang“ Plastiken werden erneut Skulpturen nach unten rücken, arbeiten Künstler und Taucher mit Zeit, Raum und Licht. Die künstlerische Absicht besteht im Beobachten der natürlichen Alterung aller Kunstwerke. Bildhauer Reimann hat es sich nicht nehmen lassen, selbst zu tauchen und die visuelle Wirkung am Seegrund zu studieren.
Nach Ablauf von einigen Jahren sollen alle Kunstwerke feierlich geborgen und versteigert werden. Dann werden neben dem Kunstwerk selbst auch die „Patina“ der Jahre im See Teil des künstlerischen Ausdrucks sein. Reimann und seine Künstlerkollegen machen sich schon heute Gedanken, ob sich die Spuren der „See-Zeit“ einfach trocknen lassen, ob diese Marken der „Zeit im See“ womöglich irgendwie zu fixieren sind.
Was sich Künstler und Taucher vorstellen, ist an den seit Jahren unter Wasser stehenden Kunstwerken längst zu sehen: Eisenskulpturen rosten langsam, doch Schweißnähte treten überdimensional markant hervor. Hölzerne Kunstwerke dunkeln nach, die Maserung scheint sich optisch zu verstärken. Steinplastiken bekommen ganz betonte Poren, mitunter auch eine eigenartige Marmorierung. Keine Frage, das Wasser bewirkt teilweise auch Beschädigung, Verletzung, Verfall.
Auf allem liegt das Sediment des Sees, in gewisser Weise auch der Staub des (zeitweiligen) Vergessens. Viele Skulpturen bewachsen mit Grünalgen oder Kieselalgenmatten. Dies verwischt im Wasser die Gesichtszüge jener Figuren, die ein Gesicht haben. Ganz offenbar wird die kulturelle Bereicherung des Litorals auch von den Fischen geschätzt: Insbesondere kleine Barsche umschwärmen die Figuren, die „Granitmadonna“ besitzt einen beweglichen Heiligenschein aus Babybarschen.
Tauchgäste sind die einzigen, die diese unterseeische Kunstsammlung fast jederzeit sehen können. Es ist ein faszinierender Anblick, im grünen Dämmerlicht eines einheimischen Sees malerisch algenbewachsenen Klein-Plastiken zu begegnen. Dann fühlen wir uns wie tauchende Historiker. Wie aquatische Kunstverständige; als hätten wir ein wenig Teil an Erlebnissen, wie sie die Forscher bei den Unterwasserausgrabungen im Hafen von Alexandria gehabt haben mögen.
Ein jeder wird sein ganz eigenes Gefühl, seine persönlichen Assoziationen haben, wenn er sich den verwunschenen Kunstwerken nähert. Ganz gleich, ob es sich um einen Torso, eine Metallskulptur, eine Sandstein-Stele oder eine Madonna in Granit handelt. Hier streift uns unter Wasser der Hauch des Erhabenen, eine ganz besondere künstlerische Gedankenwelt, an der für Jahre allein wir Taucher teilhaben können.
Der Dresdner Bildhauer Thomas Reimann ist so etwas wie der Koordinator der UNTERWASSERSAMMLUNG. Er möchte wirkliche Kunstwerke in der Sammlung am Seegrund sehen, und bemüht sich regional wie europaweit um entsprechende Stücke. Am Seegrund stehen Exponate wie ein Picasso-Kopf (Glasskulptur von Erwin Eisch), die Dose der Pandora (Metall-Installation von Thomas Waga), eine Maske (Sandsteinskulptur von Horst Seidelmann) oder die hölzerne „Ohrmuschel“ (Gudrun Bernhard). Thomas Reimann selbst vertraute den Fluten einen „Neidkopf“ (Sandsteinplastik im Renaissance-Stil), eine gläserne Maske August des Starken, eine „Kleine Japanerin“ (in Sandstein und Glas) und weitere Werke an. Es gibt auch ganz außergewöhnliche Stücke wie in Glas versiegelte Bücher oder Hinterglasmalerei.
Die beiden Projekte Bildhauerwerkstatt und UNTERWASSERSAMMLUNG sind lose miteinander verbunden. Wenn die an Land schaffenden Künstler eine Skulptur „für den See“ erstellen, ist dies willkommen, aber nicht Bedingung für die Mitwirkung in der Bildhauerwerkstatt. Die unterseeische Skulpturensammlung im Miltitzer See ist in ihrer Art einzigartig in Europa und kann entfernt mit Jason deCaires Taylors Figurenprojekt vor Grenada verglichen werden. (www.underwatersculpture.com)
Inzwischen bemühen sich die Künstler jedoch nicht allein um Skulpturen im und am See. Seit 2009 sind Land-Art-Installationen hinzugekommen, die den Pfad entlang des Jauerbaches zwischen Miltitz und Nebelschütz und somit die Landschaft selbst phantasievoll gestalten. Nebelschütz gilt als das Tor zur sorbischsprachigen und katholischen Oberlausitz. Der Skulpturenpark am See, die Unterwassersammlung und die Landschaftskunstwerke am Bachlauf beweisen wahre kulturelle Dreifaltigkeit.

Infos

+ Tauchgebühr: 6 Euro.
+ www.tauchteam-druckausgleich.de (der Freiberger Verein, der das Tauchgewässer gepachtet und Hausrecht hat, hier auch Anfahrtsbeschreibung)
+ www.druckausgleich.de (die Tauchschule, die am See ausbildet
+ www.nebelschuetz.de (Gemeinde und Gelände-Eigentümer)
+ www.heldhaus.de (Unterkunft im historischen Dreiseithof für bis zu 28 Personen)
+ www.sparmann.de (nächste Füllstation mit Taucher-Bungalows; zugleich bekommt man hier Infos und Schlüssel, wenn der Steinbruchsee Miltitz nicht besetzt sein sollte.)
+ www.tmvo.de (Bildhauer Thomas Reimann)
+ www.krabatstein.com  die Internationale Bildhauerwerkstatt)

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