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EDITORIAL

Michael Goldschmidt

 

Münchens Nixe Daniele Rodler © UWW

Daniela Rodler

 

Ausgburgs Meerjungfrau Denise Nemec © UWW

Denise Nemec

Liebe Leserinnen und Leser,

seit einigen Jahren gibt es in der Welt der Taucherinnen einen gewissen Trend hin zu Doppelgerät, Stage und lichtloser Tiefe. Seit einigen Jahren gibt es aber einen weiteren Trend, der sich langsam ins Bewusstsein schleicht, Meerjungfrauen lassen sich immer öfter sichten.
Sie posen lasziv gelagert auf einem Fels am Ufer, treiben bei Veranstaltungen durch improvisierte  Großaquarien, ihren Lebensraum durch schaufenstergroße Scheiben dem Publikum im Trockenen analog übermittelt. Oder sie verschwinden in einem beliebigen Gestade vor den Augen zufällig anwesender Schaulustiger, die auch hier keine Rettungsgasse bilden, von der Oberfläche für ein Rendezvous mit der Unterwasserwelt. Der zeitliche Abstand zur oberflächlichen Rematerialisierung kann zwischen 30 Sekunden und 30 Minuten liegen, je nachdem, ob die Meerjungfrau mit Eigenluft oder durch einen Sicherungstaucher für Fotoaufnahmen mit Pressluft versorgt wird und wie kalt das Wasser ist.
Hier ansässige Mermaids, deren Tun neudeutsch als Mermaiding bezeichnet wird, Meerjungfrauengetue käme sprachlich auch nicht so gut, haben es ungleich schwerer als jene, die in tropisch aufgeheizten Meeren oder Quellen, den US – Geburtsorten  der amphibischen Kurzzeitlebenswesen, mit glitzerndem Fischschwanz mehr oder weniger grazil dahindümpeln.  
Also, wo kommen sie her, die Urmütter der Meerjungfrauen? Aus Weeki Wachee. Das klingt schräg, gibt’s aber wirklich. Das ist eine Stadt mit immerhin – lt. wikipedia – 12 Einwohnern im Hernando County in Florida. Solange Trump dort twittlert, muss man nicht gleich losdüsen, um sich selbst ein Bild zu machen, wie es in der Mermaid – Krippe aussieht, die 1947 einem staunendem Publikum mitten im Nowhereland mit maximaler Kulisse und ebensolchem Eintrittspreis  präsentiert wird wie das Passionsspielhaus im Bayerischen Oberammergau.
Zumindest ist der Unterhaltungswert in Weeki Wachee, wenigstens den indianischen Namen der Region haben die native - freundlichen US Genossen nicht zerstört, deutlich attraktiver als das, was einem stark fernöstlich geprägten Publikum in der Länge einer Wagneroper in Oberammergau vorgeführt wird. König Ludwig II wäre neidisch um die natürliche Unterwasserbühne für die Abtritte der Mermaids. Er musste sich für seinen Wassertraum im Schloss Linderhof eine monumentale Grotte mit künstlichem See bauen lassen, den er mit einem goldenen Schwan befuhr, in mystisch beleuchtetem Ambiente. Seine Geldverschwendung bezahlte er später mit dem Wassertod, wenn schon bedauerlicherweise nicht in der Grotte, sondern im wenig sagenhaften Starnberger See, in dem Taucher, deren Fingerspitzengefühl extrem eingefroren ist, die Steilwand mit leeren Bierflaschen und ähnlichen Müll „dekorieren“…
Einen goldenen Schwan gibt es bei den Shows in Weeki Wachee nicht. Dafür ist das, was die Nixen an 365 Tagen im Jahr aufführen, echt harte Arbeit, vor Schaufenstern, hinter denen bestgenährte US Bürger und kreischende Kinder unterschiedlichen Betrachtungsinteressen nachgehen. Die Herren filmen oder fotografieren fürs Privatarchiv, zur Ergötzung, wenn die Gemahlin wieder mit Lockenwicklern durch die Bude rennt. Die Kids nehmen das alles nicht so ernst, denn Disney`s Arielle zog keinen Gartenschlauch hinter sich her, aus dem sie  - ohne Mundstück (!) – nach Luft schnappt.
Ganz ehrlich, mir tun diese Mermaids wirklich leid und sie wissen mit der Zeit um ihre ausgebeutete Situation. In einem Fastfood Restaurant verdienten sie einfacher mehr, aber da gibt’s nicht so viele im unbesiedelten Herz von Florida. Klar, für einige Mädels war der Job dort ein Traum, ihn zu bekommen. Die harten Bedingungen ihn zu machen, wurden erst später klar. Aber wie heißt es so schön? Ich war jung und brauchte das Geld…..
Geld braucht sie auf alle Fälle, möchte eine Meerjungfrau selbständig was her machen. Die billigen Stofffummel mit unsäglicher Brettflossse für immerhin 300 Euro sind was für den Kindergarten und kleiden dann Teenie Mädels bei Workshops im Hallenbad. So richtig geiles Gefühl für die Sache kann da nicht aufkommen.
Um sich total mermaidig zu fühlen, traumhaft auszusehen und mit der integrierten Flosse im eigens zu erlernenden Stil über und unter Wasser voranzukommen, muss man richtig Geld auf den Tisch legen. Da gibt es drei darauf spezialisierte Unternehmen in  - USA – die zwischen 5- und 8- Tausend Euro für ein handgearbeitetes Mermaidequipment aus Silikon in Rechnung stellen. Die Lieferzeiten liegen zwischen 4 und 12 Monaten.
Meine persönliche Hochachtung gilt zwei Mermaids, mit denen ich schon die Freude und Ehre hatte zusammen zu arbeiten – hinter der Kamera. Münchens Nixe Daniela Rodler und Augsburgs Meerjungfrau Denise Nemec.
Denise gehört seit kurzem auch zu unserem Redaktionsteam mit Schwerpunkt Model Apnoe. Als Apnoe Tauchlehrerin bringt sie sich bestens ausgebildet in die atemlose Arbeit unter Wasser ein.
Mit Denise hatten wir vor ein paar Tagen ein gemeinsames Shooting beim Test der neuen Cressi Apnoe Linie im Attersee. Wir waren unter schwierigen Sichtverhältnissen vor der Kamera von Manuela Kutschenreuter, die nun auch zu unserem Team zählt. Aber da waren wir doch recht warm angezogen.
Und die Härte des Nixenlebens erlebte ich beim Dreamshooting mit Denise im Waldbad Anif bei Salzburg. Das Wasser hat dort im Sommer knapp unter der Oberfläche 17°C. Dann beim Ritter in 5 Meter Tiefe immer wieder neue wundervolle Positionen zu finden, ohne sich die Kälte anmerken zu lassen, das ist einfach großartig.

Denke ich darüber nach, da wäre eine rundum HighTech Tauchausrüstung günstiger, als die Verwandlung in eine traumhafte Nixe. Wegen mir kann es auch ein Nixerich sein, solange ich nicht schwarze Flächen vor dunklem Hintergrund fotografieren muss – Tauchen mutierte optisch ja zum Trauersport – ist es mir recht.

Und mit Freude habe ich das Buch : Mermaids – kleines Handbuch für Meerjungfrauen und Nixen von Daniela Rodler und Stephanie Naglschmid – erschienen im Naglschmid – Verlag in die Hand genommen. Hier finden angehende Nixen einen genialen Leitfaden zum Einstieg in die Materie. Jetzt hoffe ich nur, dass sich nicht irgendwelche Verbände das Thema abgrapschen, um eine Ausbildung zur Pflicht zu machen, bevor man sich einen Nixenbody  kaufen darf….


Herzliche Grüße, Ihr

Michael Goldschmidt


https://weekiwachee.com/



Ach ja, liebe Daniela, mich als „Nixenfotograf“ in deinem Buch nicht zu erwähnen, ist sicher nur ein Versehen….
 

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