UnterWasserWelt - das Onlinemagazin seit 1999


 

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EDITORIAL

Michael Goldschmidt

Liebe Leserinnen und Leser,

ich bin ganz stolz. Ich habe mein Virtual - Diver - Brevet gerade als Download erhalten und darf nun mit anderen Virtual - Diver - Brevet – Inhabern gemeinsam abtauchen. Mein Leben hat einen ganz neuen Weg genommen. Jetzt habe ich Freizeitperspektiven ohne Ende, nachdem mich Video on demand, Privatfernsehen, Mountainbiking im Wohnzimmer und als letztes wirkliches Abenteuer Brötchenbacken ohne Fertigmischung nicht mehr flächendeckend befriedigten.
Die große Leere ist vorbei. Ab sofort kann ich unter der Dusche mit Gleichgesinnten virtuelle Tauchgänge absolvieren, verbunden über einen Duschcomputer, der mich mit Virtual - Divers im Umkreis von 50 Kilometern verbindet. Ich muss nur nass sein, mein Skin – Level -  Brevet verlangt das, also geht es mit den Nixen und Kumpels im Strahl der Duschdüse in die Tiefe.
Habe mich heute zum ersten Tauchgang richtig schick gemacht, schwarze Speedo Badehose, darüber ein Shorty von  - hm, steht kein Name drauf, ist vom Discounter – und der brandneue Virtual - Dive - Computer mit Webcam und 1000 Tauchmodi inklusive Erlebnisdisplay.
Ich könnte die Welt umarmen.
Wohltemperiertes Wasser strahlt auf mich herab, der Virtual – Dive – Computer aktiviert sich und im Einloggmodus sehe ich bereits 16 weitere Virtual – Divers, die sich auf ihren Abstieg vorbereiten. Ich muss mir nur noch einen Buddy aussuchen. Leider sind Mädels rar und deren Vorschauportraits vermitteln nicht so wirklich kontaktfreudiges Klientel, doch heute ist mein Tag.
Im begrenzten Kreis der virtuellen Taucherinnen scheint mir Luzie eine Anfrage wert und ich gebe mein Angebot in den virtuellen Tauchcomputer ein. Vorher zupfe ich noch meinen Shorty zurecht und stimme den Duschstrahl prickelnd ab, damit die Cam im Tauchcomputer meine Schokoladenseite übertragen kann.
Bei Luzie wollen viele landen, die gerade einen home – made  Tauchgang unternehmen möchten. Als Nummer 5 in der Warteliste habe ich keine Spitzenposition, es ist aber auch nicht aussichtslos. Frisch plätschert das Wasser auf mich herab und hält so den Virtual – Dive – Computer aktiviert.
In aller Ruhe gehe ich die einzelnen Ausbildungsmodule noch einmal durch. Virtuelle Maske ausblasen – da hatte ich immer ein paar Probleme, das virtuelle Wasser mit der Maus in der vorgegebenen Zeit ganz aus der Maske heraus zu pixeln. Bei der Online – Prüfung hab ich deshalb geschickt geschummelt und mit Hilfe des auf meinem Rechner installierten Virenschutzprogramms die Bildschirmprüfung entschärft. Selbst schuld, wenn die anderen virentechnisch nackt surfen.
Hallo Luzie, ich bin der Märchenprinz, schau doch mal mein Bild an! Auf der Position 5 der Warteliste scheine ich ein Abo zu haben. Luzie weiß noch immer nicht, mit wem sie virtuell abtauchen möchte.
He, gib Gas, mein Warmwasservorrat meldet sich langsam ab und ich habe virtuelle Karibik gebucht und nicht das Nordmeer.
So lange Luzie sich nicht entscheiden kann, schau ich mir die auf dem virtuellen Tauchcomputer hinterlegten Unterwasserfotos an. Der Bildschirm strahlt mir entgegen, leuchtend bunte Schwämme, mannshoch, Fischschwärme und eine attraktive Taucherin, die bereit scheint für alle weiteren Abenteuer des Tauchtags.
Der Golfstrom ist plötzlich abgerissen und ich stehe im eiskalten Wasserstrahl der Brause, der virtuelle Duschcomputer signalisiert, dass in ein höheres Sicherheitslevel ungeschaltet werden muss, da Kaltwassertauchgänge Dekompressionsrisiken bergen. Bevor ich überhaupt reagieren kann, habe ich 3 Minuten Deko und 3 Minuten Sicherheitsstipp angezeigt.
Super.
Nur weil Luzie nicht weiß, wen sie als Buddy will.
Wahrscheinlich kennt sie das alles nur zu gut und ist sogar gemeingefährlich, weil sie die gefoppten virtuellen Buddys bewusst einer massiven Unterkühlung aussetzt.
Eigentlich möchte ich mich jetzt sofort abschalten, doch das würde wegen virtueller Disziplinlosigkeit meinen Status als virtueller Taucher resetten und ich müsste einen Teil meiner virtuellen Tauchprüfung wiederholen. Doch die 1.600 Euro der ersten Prüfung inklusive Hard- und  Software sind noch nicht ganz abbezahlt und wegen Weicheierei habe ich keine Lust gleich noch mal 600 Euro auf den Weg zu bringen.
Da muss ich durch. Mein Verband VTSD (Virtuell Tauchen Sicher Duschen) in Kooperation mit BASDI (bald auch Scuba Dive Instructor) ist streng und ich beiße die Zähne zusammen. Das Wasser aus der Dusche darf nur nicht kälter werden, denn dann habe ich noch längere Austauchzeiten abzuwarten.     
Meine Zähne klappern und die Gänsehaut hat das Zeug im Guinnessbuch der Rekorde Einzug zu halten. Sollte ich Luzie jemals als Buddy begegnen, werde ich sie, sie.... (aus dem öffentlichen Protokoll gestrichen).
Jetzt klingelt auch noch das Telefon. Ich kann aber die nächsten 3 Minuten unmöglich hier weg, sonst kostet mich das... Vermutlich sind das Schergen des VTST oder BADI, die mich aus der Reserve locken wollen, an meinem Ersparten knabbern möchten.
Die 3 Minuten halte ich noch durch. Komme, was wolle. Und dann kann mich Luzie und das ganze Tauchen...
Tüüttüttüüüttüt.
Ich hämmere auf meine  Wecker.
Aus. Vorbei.
Was für ein Alptraum.
Ich muss raus.
Ich habe heute ein Crossover. Dann kann ich als TL von den Verbänden TSDF, KDSF, LKTF nun auch Brevets für MGTL abnehmen.
Hm, das war vielleicht doch kein Alptraum.
Das war vielleicht mein Gewissen?
Seit wann pflege ich einen  Luxus wie ein eigenes Gewissen zu beherbergen?
Ich bleib liegen. Neuer Anlauf für eine Schlafpause ohne Alpdruck.
Das Crossover findet ohne mich statt.
Das ist sicher.
Mehr und mehr wird für mich wichtig, dass Tauchen Spaß machen soll.
Ohne Risiko.
Wir sehen uns


Herzliche Grüße, Ihr

Michael Goldschmidt
 

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